Readmill

Ein viel zu langer Aufsatz darüber, warum ich Readmill nicht nutze.

Seit Readmill das erste Mal in Erscheinung trat hatte ich einen Account. Obwohl ich kein iPad mein eigen nennen konnte fand ich das Konzept von Readmill sofort unglaublich gut. Social Reading – mit anderen über das Gelesene austauschen, neue Bücher entdecken, die eigenen Lieblingsstellen öffentlich machen, den Autoren folgen, Bücher empfehlen usw. Es hörte sich toll an.

Hinzu kommt, dass ich begeisterter Kindle-Nutzer bin … und natürlich kann man seine Highlights vom Kindle über Amazon zu Readmill übertragen und somit auch ohne iPad am Geschehen teilnehmen.

Super, dachte ich.

Und dann bekam ich ein iPad. Eines der ersten Generation nur, aber es reicht vollkommen aus und kostete mich nichts. Ich installierte Readmill, lud ein wenige Tage zuvor gekauftes eBook und begann zu lesen.

Nach zehn Minuten legte ich das iPad wieder weg und öffnete Readmill seitdem nicht wieder. Das blödeste was passieren konnte war passiert. Nachdem ich solange darauf gewartet hatte es endlich nutzen zu können stellte ich fest: Ich gehöre nicht zur Zielgruppe von Readmill.

Warum nicht

Grund 1: Ich liebe meinen Kindle. Er ist leicht (ich kann ihn problemlos mehrere Stunden in nur einer Hand halten), er hat ein eInk-Display mit ausreichend hoher Auflösung, er liest sich wie ein gedrucktes Buch. Er kann nur eine Sache und die kann er richtig gut: eBooks darstellen.

Im Gegensatz dazu das iPad. Es ist schwer, zu schwer für eine Hand, es hat ein leuchtendes Display, seine Auflösung ist zu gering (gilt natürlich nicht für die dritte Generation) und es kann tausend Dinge, manche richtig gut, aber eBooks darstellen gehört nicht dazu. Auch wenn Apple das behauptet; Bücher lesen gehört nicht zur Kernkompetenz des iPads. Einfach aus den genannten technischen Gründen. Es ist kein Lesegerät. Man kann damit lesen, sicher, Instapaper z.B oder Reeder, aber ganze Bücher? Mehrere Stunden am Stück? Never.

Grund 2: Readmill setzte mich unter Druck bzw. ich machte mir selbst unnötig Druck. Sobald die App geöffnet war und ich zu Lesen begann, war ein kleiner Teil meines Kopfes nicht bei der Sache, nicht aufs Lesen konzentriert. Stattdessen war dieser Teil damit beschäftigt Textstellen zu finden, die es wert wären auf Readmill geteilt zu werden. Das lenkte ab, ich bekam es mit und ärgerte mich darüber, vermochte aber nicht die abtrünnigen Gehirnzellen zur Ordnung zu rufen. Ich verlor die Konzentration, war abwesend – wie soll man so vernünftig lesen und das Gelesene auch noch verarbeiten? Nahezu unmöglich.

Grund 3: Der wichtigste Grund von allen – ich bin kein besonders sozialer Mensch. Zumindest nicht beim Lesen. Ich habe schon immer viel gelesen, vor allem als Kind habe ich permanent Bücher verschlungen und tue das auch heute noch, wenn auch nicht mehr ganz so viele, rein aus Zeitgründen, aber nie, in all den Jahren, hatte ich das Bedürfnis das Gelesene in irgendeiner Form zu kommentieren oder zu markieren. Immer bewunderte ich Menschen die das taten, weil ich es für ein Zeichen von tieferem Verständnis hielt, als würde ich die Worte nur lesen, die anderen aber ihren Sinn verstehen. Das wurmte mich früher enorm, ich wollte das auch, aber es ergab sich eben nie. Ich las, ich legte das Buch weg, ich las das nächste. Es gab nur wenige Bücher, die mich hinterher noch länger beschäftigten, der Spaß dauerte solange wie noch Seiten vor mir lagen, hatte ich alle gelesen war das Buch für mich beendet. Warum also noch mit anderen Leuten darüber austauschen, wenn ich doch schon längst wieder ganz woanders bin?

Diese drei Gründe verhindern also, dass ich Readmill benutze. Und das ärgert mich, denn Readmill ist wirklich toll.